Kapitalistenbrause?
Am vergangenen Wochenende fand in Berlin der Kongress "Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus" statt. Veranstalter war die 'Bewegungsakademie' (das Bildungswerk von Attac). Wie wollen wir wirtschaften? - fragten sich über 1400 Teilnehmer aus aller Welt, aus Betrieben und Projekten der alternativen Ökonomie, alten und neuen Genossenschaften, selbstverwalteten Betrieben, Unternehmen mit sozialen Zielsetzungen, Wohn- und Gemeinschaftsprojekten, Tauschringen, alternativen Finanzierungseinrichtungen, fairem Handel, landwirtschaftlicher Direktvermarktung, Frauenprojekten und Wissensinitiativen.

Auch der Bundesverband Freier Radios bot (in Gestalt von Martin) eine Podcast-Werkstatt an, die aber nicht so recht in die Tiefe gehen konnte. Überhaupt verschob sich der Schwerpunkt des Kongresses mehr in Richtung Projektemesse, weil bei jeder Zusammenkunft überwiegend neue Leute da waren, die erst einmal grundsätzliche Verständnisfragen hatten. Wobei im Vergleich mit den internationalen Projekten die deutschen Angebote eher unattraktiv erschienen: die Theorie- Arbeiskreise von Traditions- 68ern, die fortbestehenden Ost-West-Unterschiede mit den esoterisch angehauchten Lebens- und Geldreformern im Westen und den protestantischen Askesepredigern aus dem Osten. Und nicht zuletzt die polit- bürokratischen Strukturen mit Dutzenden von Dachverbänden und Vernetzungsinstanzen wirkten doch sehr deutsch.

In Europa scheinen italienische Behindertenkooperativen eine Vorbildfunktion zu gewinnen, während international der Blick stark nach Südamerika ging. Nicht zuletzt, weil mit Paul Singer der brasilianische Staatssekreär für soziale Ökonomie am Kongress teilnahm. Dort geht es neben elementaren Überlebensfragen auch gleich um Demokratie und Gewaltenteilung. Die von der Regierung Lula zur Verfügung gestellten knappen Mittel können nicht einfach mit der Gießkanne verteilt werden, sondern werden in einer ausgeklügelten Gewaltenteilung zwischen Rätestrukturen, Regierungsstellen und lokalen Verwaltungen ausgehandelt.

Aus China kommt eines der ersten asiatischen Fremdwörter der globalisierungskritischen Sprache: Dagongmei sind "Arbeitnehmerinnen mit Migrationshintergrund in autoritären Verhältnissen", was beinahe so schlimm klingt wie seinerzeit "Fremdarbeiterinnen" - mit schnarrendem Unterton gesprochen. Frauen lassen sich wahrscheinlich wirklich anders ausbeuten als Männer, da ist die geschlechtliche Unterscheidung wohl mal gerechtfertigt. Überhaupt geht der Trend stark in Richtung Bewältigung praktischer Lebenssituationen wie Wohnen, Ernährung, Gesundheit, Sport, bis hin zum "besseren Müllkonzept". In Berlin wurde das lange besetzte ehemalige Krankenhaus Bethanien in die Hände der Nutzer privatisiert. Auch heftige Privatisierungskritiker sind jetzt im Trägerverein aktiv. Eine weitere "gute Privatisierung" bahnt sich für die Berliner Wasserversorgung an. Eine Genossenschaft "Wasser in Bürgerhand e.G." steht bereit, um die hauptstädtischen Wasserwerke zum Schnäppchenpreis von 1,7 Milliarden Euro zu übernehmen.

Ökolebensmittel sind längst nicht mehr nur Müsli und Kartoffeln, auf der Projektemesse bot eine Vertriebsfirma die erste globalisierungskritisch korrekte Cola an. Die bessere Kapitalistenbrause heißt "Costa Rica Cola" und wird vom Abfüller mit Quellwasser der Bretagne und fair gehandeltem Rohrzucker aus Costa Rica zusammengerührt. Weitere Bestandteile sind Kohlensäure, Kolanuss-Extrakt, Farbstoff E 150 d, Säuerungsmittel E 338, Aromastoffe und Koffein. Und der Geschmack von "Costa Rica Cola" ist tatsächlich besser als jener der braunen Brühe aus dem Gewerbegebiet Halle-Neustadt, als notorischer Colatrinker kann ich das beurteilen.

Wichtiger werden auch die freien geistigen Eigentumsrechte, Stichwort Wissensalmende. Da gibt es längst nicht nur freie Software und Medienprojekte, auch Baupläne für das "freie Auto" stehen demnächst im Netz und jeder darf es dann nachbasteln. Bei der weltweiten Harmonisierung der Urheber- und Patentrechte im Rahmen des Welthandelsabkommens mischt man kräftig mit und bald wird es wohl auch das "bessere Wissensmonopol" geben, dass den gerade abgehängten Teil der Menschheit knebelt...


Auch der Bundesverband Freier Radios bot (in Gestalt von Martin) eine Podcast-Werkstatt an, die aber nicht so recht in die Tiefe gehen konnte. Überhaupt verschob sich der Schwerpunkt des Kongresses mehr in Richtung Projektemesse, weil bei jeder Zusammenkunft überwiegend neue Leute da waren, die erst einmal grundsätzliche Verständnisfragen hatten. Wobei im Vergleich mit den internationalen Projekten die deutschen Angebote eher unattraktiv erschienen: die Theorie- Arbeiskreise von Traditions- 68ern, die fortbestehenden Ost-West-Unterschiede mit den esoterisch angehauchten Lebens- und Geldreformern im Westen und den protestantischen Askesepredigern aus dem Osten. Und nicht zuletzt die polit- bürokratischen Strukturen mit Dutzenden von Dachverbänden und Vernetzungsinstanzen wirkten doch sehr deutsch.

In Europa scheinen italienische Behindertenkooperativen eine Vorbildfunktion zu gewinnen, während international der Blick stark nach Südamerika ging. Nicht zuletzt, weil mit Paul Singer der brasilianische Staatssekreär für soziale Ökonomie am Kongress teilnahm. Dort geht es neben elementaren Überlebensfragen auch gleich um Demokratie und Gewaltenteilung. Die von der Regierung Lula zur Verfügung gestellten knappen Mittel können nicht einfach mit der Gießkanne verteilt werden, sondern werden in einer ausgeklügelten Gewaltenteilung zwischen Rätestrukturen, Regierungsstellen und lokalen Verwaltungen ausgehandelt.

Aus China kommt eines der ersten asiatischen Fremdwörter der globalisierungskritischen Sprache: Dagongmei sind "Arbeitnehmerinnen mit Migrationshintergrund in autoritären Verhältnissen", was beinahe so schlimm klingt wie seinerzeit "Fremdarbeiterinnen" - mit schnarrendem Unterton gesprochen. Frauen lassen sich wahrscheinlich wirklich anders ausbeuten als Männer, da ist die geschlechtliche Unterscheidung wohl mal gerechtfertigt. Überhaupt geht der Trend stark in Richtung Bewältigung praktischer Lebenssituationen wie Wohnen, Ernährung, Gesundheit, Sport, bis hin zum "besseren Müllkonzept". In Berlin wurde das lange besetzte ehemalige Krankenhaus Bethanien in die Hände der Nutzer privatisiert. Auch heftige Privatisierungskritiker sind jetzt im Trägerverein aktiv. Eine weitere "gute Privatisierung" bahnt sich für die Berliner Wasserversorgung an. Eine Genossenschaft "Wasser in Bürgerhand e.G." steht bereit, um die hauptstädtischen Wasserwerke zum Schnäppchenpreis von 1,7 Milliarden Euro zu übernehmen.

Ökolebensmittel sind längst nicht mehr nur Müsli und Kartoffeln, auf der Projektemesse bot eine Vertriebsfirma die erste globalisierungskritisch korrekte Cola an. Die bessere Kapitalistenbrause heißt "Costa Rica Cola" und wird vom Abfüller mit Quellwasser der Bretagne und fair gehandeltem Rohrzucker aus Costa Rica zusammengerührt. Weitere Bestandteile sind Kohlensäure, Kolanuss-Extrakt, Farbstoff E 150 d, Säuerungsmittel E 338, Aromastoffe und Koffein. Und der Geschmack von "Costa Rica Cola" ist tatsächlich besser als jener der braunen Brühe aus dem Gewerbegebiet Halle-Neustadt, als notorischer Colatrinker kann ich das beurteilen.

Wichtiger werden auch die freien geistigen Eigentumsrechte, Stichwort Wissensalmende. Da gibt es längst nicht nur freie Software und Medienprojekte, auch Baupläne für das "freie Auto" stehen demnächst im Netz und jeder darf es dann nachbasteln. Bei der weltweiten Harmonisierung der Urheber- und Patentrechte im Rahmen des Welthandelsabkommens mischt man kräftig mit und bald wird es wohl auch das "bessere Wissensmonopol" geben, dass den gerade abgehängten Teil der Menschheit knebelt...

stulli - 27. Nov, 14:04