Retro räumt ab
MDR-Literaturwettbewerb im Leipziger Haus des Buches. Trotz des Massenbetriebs mit über 2000 Einsendungen und 19 Juroren eines der wenigen fast zugangsoffenen Literatur-"Castings" der Hartz-Republik.

Die Literaturredakteure Hametner und Heise moderierten einen dreieinhalbstündigen Lesemarathon, sieben Autoren zwischen 28 und 51 Jahren lasen je eine Viertelstunde ihre eingesandte Kurzgeschichte. Die Fakten stehen detailiert auf der Seite von MDR-Figaro.

Pascal von Wroblewsky und das Stephan-König-Trio spielten bzw. sangen dazu auf Zuruf klassischen Jazz. Die gelesenen Texte waren kaum noch "popig", es ging viel um die soziale Wirklichkeit in der "Merkelei" , das Verschwinden aller Sicherheiten, eine löchrig werdende Realität. Der erste Preis und der Publikumspreis gingen dann aber doch an eine "Retro"- Geschichte, Thomas Pletzingers "Bruck". Druckvoll erzählt, schwelgt er in der geliehenen Identität der Lebenserinnerungen eines jüdischen Tausendsassas. Gesellschaftlich ist das natürlich völlig affirmativ, Pletzinger würde höchstens Ein-Euro-Stellen für Türsteher einrichten oder Arbeitslosen Praktika bei der örtlichen Ethno-Mafia vermitteln.

Vor-Juror André Schinkel aus Halle erklärt die Welt. Meine persönliche Lieblingsgeschichte war "Notfalls Marmelade" von Andreas Heidtmann. Erinnert ein wenig an Eugen Egner, doch der polemische Plauderton ist neu und unversöhnlich. Und gut!

MDR-Hörfunk-Chefin Molsen geht im November in den (fast) verdienten Ruhestand und nun zittert alles vor ihrem Nachfolger im Feudalreich des MDR. Wird es den Literaturwettbewerb weiter geben? Die Zuschauer in Leipzig waren eher dafür.

Die Literaturredakteure Hametner und Heise moderierten einen dreieinhalbstündigen Lesemarathon, sieben Autoren zwischen 28 und 51 Jahren lasen je eine Viertelstunde ihre eingesandte Kurzgeschichte. Die Fakten stehen detailiert auf der Seite von MDR-Figaro.

Pascal von Wroblewsky und das Stephan-König-Trio spielten bzw. sangen dazu auf Zuruf klassischen Jazz. Die gelesenen Texte waren kaum noch "popig", es ging viel um die soziale Wirklichkeit in der "Merkelei" , das Verschwinden aller Sicherheiten, eine löchrig werdende Realität. Der erste Preis und der Publikumspreis gingen dann aber doch an eine "Retro"- Geschichte, Thomas Pletzingers "Bruck". Druckvoll erzählt, schwelgt er in der geliehenen Identität der Lebenserinnerungen eines jüdischen Tausendsassas. Gesellschaftlich ist das natürlich völlig affirmativ, Pletzinger würde höchstens Ein-Euro-Stellen für Türsteher einrichten oder Arbeitslosen Praktika bei der örtlichen Ethno-Mafia vermitteln.

Vor-Juror André Schinkel aus Halle erklärt die Welt. Meine persönliche Lieblingsgeschichte war "Notfalls Marmelade" von Andreas Heidtmann. Erinnert ein wenig an Eugen Egner, doch der polemische Plauderton ist neu und unversöhnlich. Und gut!

MDR-Hörfunk-Chefin Molsen geht im November in den (fast) verdienten Ruhestand und nun zittert alles vor ihrem Nachfolger im Feudalreich des MDR. Wird es den Literaturwettbewerb weiter geben? Die Zuschauer in Leipzig waren eher dafür.
stulli - 9. Mai, 11:25