
Am Sonnabend war ich auf der Buchmesse in Leipzig - ein ungeheures Gewühl, in der S-Bahn war es wie in einer Sardinenbüchse und eine Menge Leute mußten auf Halles Bahnsteig "zurückbleiben". In der Glashalle bei den Fernsehsendern dann ein gnadenloser Jahrmarkt der Eitelkeiten: Petra Gerster wurde öffentlich Fünfzig, Johannes Hesters konnte noch einmal reanimiert werden, nur Leni Riefenstahl hatte es irgendwie nicht mehr geschafft. Die Cosplayer in Halle 2 haben solche Probleme nicht, sie sind jung und mit ihren Kostümen werden sie ohne Umwege sofort Teil einer Scheinwelt ohne Belang oder Anspruch. In Halle 5 nervten die Bezahlverlage, für 995,- Euro kann das Kind Held seines eigenen Kinderbuches werden, die Biographie der Katze wird für 1199,- Euro in Leder gebunden und auch Dummbeutel selbst kann schon für 792,30 Euro seinen Namen auf einem grafisch durchaus ansprechend aussehenden Buch lesen. BoD warb für ein Angebot, bei dem man völlig ohne eigene Kosten ein Buch erstellen und anbieten kann. Wer selbst ein PDF schmiedet, kann sich dann den Umschlag auf der BoD-Seite gestalten usw. Gelöhnt wird nur vom Besteller oder wenn man ISBN, Werbung bzw. Vertrieb haben will. Lektorat ist überflüssig, die Buchherstellung wird völlig beliebig, Marketing gibt es nur, wenn Dritte ein Interesse haben. Scientology vielleicht, oder die Bertelsmänner? Kriterien bringen erst wieder die Bewertungs-Seiten ins Spiel, bei Online-Buchläden wie Amazon und Booklooker, oder auf Holtzbrincks
Lovelybooks.
Nur der "Freitag" stellt die wirklich wichtige Frage: "Würde auch Jesus foltern?" Na klar doch - der Heiland würde kräftig mit zulangen und seinen ganzen Sadismus ausleben...
stulli - 26. Mär, 09:53