Seumes Leipziger Dachkammern
Der Dichter Johann Gottfried Seume wurde am 29. Januar 1763 geboren. Am Vorabend seines 243. Geburtstages lud Dr. Otto W. Förster Seumefans zu einem Rundgang durch die Stadt des Dichters ein. Bei sonnigen - 8 °C und Windstille machten sich mehr als 20 Seumefreundinnen und -freunde auf die Spurensuche nach den ebenfalls mehr als 20 Wohnorten des Großen Spaziergängers.

Seume hat auch in Poserna, Borna, Grimma und Knautkleeberg gewohnt, aber sein Lebensmittelpunkt war zweifellos Leipzig. Oft mietete er sich möbliert in Dachkammern ein, immer in der Innenstadt, mehrfach direkt am Marktplatz.

1787 und 1790 wohnte er am Markt 6 "in der Dachstube" (der Mansarde mit dem schwarzen Spitztürmchen); 1791 im Thomasiuschen Hause am Markt 10. Bei längeren Reisen lagerte er seine wenigen Habseligkeiten bei Freunden ein und nahm nur mit, was in den Seehundsrucksack passte.

1803 und 1805 mietete er sich in einem Hinterhaus von Barthels Hof ein, der in den 90-er Jahren von Bauspekulanten brutal entkernt wurde. Dr. Jürgen Schneider wußte wohl nicht, wer da alles in den von ihm verschandelten Baudenkmalen gelebt hatte. Es hätte ihn wohl auch nicht interessiert.

Wohnungen im Barfussgässchen, in der Kloster- und Burgstraße sind nicht so recht nachgewiesen, aber wahrscheinlich bis möglich. Oft existieren nur Ortsangaben wie: "bei einem Bäcker".

Sicher ist, dass Seume unter dem Dach der alten Thomasschule wohnte und in der Petersstraße. Zeit für die Biermannsche Klage: Wie nah sind uns manche Tote und wie fern viele Lebende - oder so.

Denn auch hier wanderten wir weniger auf Seumes Spuren, sondern eher auf denen von Dr. Jürgen Schneider. Die Bauarbeiten am City-Eisenbahntunnel richten jetzt Schäden im Untergrund an und auf dem Platz von Christian Felix Weisses Haus steht eine große Würstchenbude in Quietschfarben. (Weissens "Kunze mit dem Dintenfasse" hätte wieder ein Wurfziel!)

Eine positive Ausnahme ist das bekannte Haus am Neumarkt.

Auch in der Petersstraße fand der Dichter Unterkunft. Dutzende Male überbaut, verhunzt, zerbombt, verfallen, abgebrannt und wieder liebevoll restauriert, zeigt sich überall die unverwüstliche Stehaufmännchen-Architektur der Leipziger Innenstadt.

Diese Gedenktafel in der Petersstraße konnten geschichtsbewußte Ureinwohner schwäbischen Kaufhaus-"Baumeistern" abringen.

Gleich die erste Leipziger Unterkunft Seumes befand sich unter dem Dach der alten Nikolaischule, eine Schilderung der Verhältnisse dort findet sich in "Mein Leben". Ach ja, in der "Heldenstadt" ist Bürgermeisterwahl und selbst eher humorlose Leipziger können sich diesmal vorstellen, einen Spaßkandidaten zu wählen.

In der Petersstraße verfällt auch Oelsners Hof. Ganz in der Nähe, im Weißen Roß (am Brühl 42 zwischen Reichs- und Nikolaistraße) befand sich 1809 und 1810 eine der letzten Wohnungen des Dichters. Am Markt endete unser kleiner Rundgang und mich wunderte nur, wie wenig sich seit der Zeit von Dr. Jürgen Schneider geändert hat - fünfzehn verlorene Jahre.

Seume hat auch in Poserna, Borna, Grimma und Knautkleeberg gewohnt, aber sein Lebensmittelpunkt war zweifellos Leipzig. Oft mietete er sich möbliert in Dachkammern ein, immer in der Innenstadt, mehrfach direkt am Marktplatz.

1787 und 1790 wohnte er am Markt 6 "in der Dachstube" (der Mansarde mit dem schwarzen Spitztürmchen); 1791 im Thomasiuschen Hause am Markt 10. Bei längeren Reisen lagerte er seine wenigen Habseligkeiten bei Freunden ein und nahm nur mit, was in den Seehundsrucksack passte.

1803 und 1805 mietete er sich in einem Hinterhaus von Barthels Hof ein, der in den 90-er Jahren von Bauspekulanten brutal entkernt wurde. Dr. Jürgen Schneider wußte wohl nicht, wer da alles in den von ihm verschandelten Baudenkmalen gelebt hatte. Es hätte ihn wohl auch nicht interessiert.

Wohnungen im Barfussgässchen, in der Kloster- und Burgstraße sind nicht so recht nachgewiesen, aber wahrscheinlich bis möglich. Oft existieren nur Ortsangaben wie: "bei einem Bäcker".

Sicher ist, dass Seume unter dem Dach der alten Thomasschule wohnte und in der Petersstraße. Zeit für die Biermannsche Klage: Wie nah sind uns manche Tote und wie fern viele Lebende - oder so.

Denn auch hier wanderten wir weniger auf Seumes Spuren, sondern eher auf denen von Dr. Jürgen Schneider. Die Bauarbeiten am City-Eisenbahntunnel richten jetzt Schäden im Untergrund an und auf dem Platz von Christian Felix Weisses Haus steht eine große Würstchenbude in Quietschfarben. (Weissens "Kunze mit dem Dintenfasse" hätte wieder ein Wurfziel!)

Eine positive Ausnahme ist das bekannte Haus am Neumarkt.

Auch in der Petersstraße fand der Dichter Unterkunft. Dutzende Male überbaut, verhunzt, zerbombt, verfallen, abgebrannt und wieder liebevoll restauriert, zeigt sich überall die unverwüstliche Stehaufmännchen-Architektur der Leipziger Innenstadt.

Diese Gedenktafel in der Petersstraße konnten geschichtsbewußte Ureinwohner schwäbischen Kaufhaus-"Baumeistern" abringen.

Gleich die erste Leipziger Unterkunft Seumes befand sich unter dem Dach der alten Nikolaischule, eine Schilderung der Verhältnisse dort findet sich in "Mein Leben". Ach ja, in der "Heldenstadt" ist Bürgermeisterwahl und selbst eher humorlose Leipziger können sich diesmal vorstellen, einen Spaßkandidaten zu wählen.

In der Petersstraße verfällt auch Oelsners Hof. Ganz in der Nähe, im Weißen Roß (am Brühl 42 zwischen Reichs- und Nikolaistraße) befand sich 1809 und 1810 eine der letzten Wohnungen des Dichters. Am Markt endete unser kleiner Rundgang und mich wunderte nur, wie wenig sich seit der Zeit von Dr. Jürgen Schneider geändert hat - fünfzehn verlorene Jahre.
stulli - 29. Jan, 11:31